Zukunft Zuckerrübe

Winterbezirksversammlungen 2015


25.02.2015


Mit gemischten Gefühlen haben die hessisch-pfälzischen Zuckerrübenanbauer das Rübenjahr 2014/15 abgeschlossen. Auf den Winterbezirksversammlungen des Verbandes trafen die Freude über eine Rekordernte zusammen mit der Sorge über einen schwächelnden Zuckermarkt und damit verbundene niedrige Preise.


Rübe bricht alle Ertragsrekorde


Die Zuckerrübe hat 2014 alle Ertragsrekorde gebrochen, und am 9. Januar ist die längste Kampagne in der jüngeren Geschichte der Zuckerfabrik Offstein zu Ende gegangen – mit einem nie dagewesenen durchschnittlichen Hektarertrag von 87,3 t/ha und einem guten Zuckergehalt von durchschnittlich 17,48 %. Dabei konnten Ernte und Transport glücklicherweise zu deutlich besseren Bedingungen als im Vorjahr abgewickelt werden.


Schwierige Preisverhandlungen


Deutlich schwieriger als insbesondere in den vergangenen drei Jahren hätten sich dagegen die Preisverhandlungen mit Südzucker gestaltet, erklärte Walter Manz, Vorsitzender des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer e.V.. „Das Grundproblem, mit dem wir es aktuell zu tun haben, ist, dass wir bereits jetzt mit den Nachteilen konfrontiert sind, die wir ab 2017 erwarteten. Dabei bleiben uns aber die künftig möglichen Entlastungen, insbesondere im Exportbereich, noch verwehrt“, erläuterte er hierzu. Unter der aktuellen Marktordnung ist der Export streng begrenzt. Damit wirkt eine so große Ernte, wie sie 2014 eingefahren wurde, direkt auf die Preise.


Wie die Geschäftsführung des Verbandes vorstellte, konnte in diesem Jahr daher nicht an das Preisniveau der Vorjahre angeknüpft werden: Quotenrüben des Jahres 2014 werden mit dem Mindestpreis von 26,29 €/t zuzüglich der Prämien und Nebenleistungen vergütet. Für Ethanol- und Industrierüben werden 18 €/t (ebenfalls zzgl. Prämien und Nebenleistungen) gezahlt. „Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr zwar eine deutliche Verminderung, ist angesichts der Marktentwicklung aber immer noch als guter Preis zu werten“, kommentierte Manz hierzu. Allerdings sind 2014 in großem Umfang Zusatzrüben angefallen, die nur mit einem Grundpreis von 8 €/t vergütet werden können. Sie werden bis zu einem Umfang von 33,41 % abgerechnet (Basis: Quotenrüben + Ethanolrüben + Vertragsindustrierüben = 100 %). Alle darüber hinaus erzeugten Mengen müssen generell auf das Folgejahr übertragen und entsprechend auch bei der Flächenplanung 2015 berücksichtigt werden.


Rübe bleibt tragende Säule im Ackerbau


Christine Wendel von der Geschäftsstelle des Verbandes konnte zeigen, dass sich inklusive der Prämien und Nebenleistungen dennoch vergleichsweise gute Bruttopreise ergeben. Auch die Zusatzrübe wird dadurch letztlich auf 15 €/t im Durchschnitt des Verbandes gehoben. Im Zusammenhang mit den hohen Hektarerträgen führt dies insgesamt zu guten Hektarerlösen, sodass die Zuckerrübe auch 2014 die tragende Säule im Ackerbau bleibt.


Für den Anbau 2015 stellte Walter Manz grundsätzlich fest, dass hier nach wie vor die Mindestpreise sowie das Prämiensystem gelten und somit Planungssicherheit besteht. „Der Rübenanbau wird auch 2015 noch sicher rentabel sein“, erklärte der Verbandsvorsitzende.


Zuckermarkt unter Druck


Klar sei aber auch, dass der Zuckermarkt aktuell massiv unter Druck stehe. Als einen wesentlichen Grund dafür nannte Manz die sehr hohen Zuckerbestände in der EU, die durch fehlgeleitete Marktmaßnahmen der EU-Kommission mitzuverantworten seien. Damit habe die EU-Kommission das erklärte Ziel verfolgt, Druck auf die EU-Preise auszuüben und sie damit wieder näher an den fallenden Weltmarktpreis heranzuführen. Nur: „Der Weltmarktpreis kann nicht als Maßstab für europäische Zuckerpreise dienen!“ stellte Manz klar. Er erläuterte, dass die aktuellen niedrigen Weltmarktpreise selbst in Brasilien nicht ausreichen, um die Zuckerproduktionskosten zu decken.


Steigender Zuckernachfrage mit tragfähigem Zukunftskonzept begegnen


Daraus ergibt sich für Manz jedoch auch die positive Schlussfolgerung, dass sich die Preislage zwangsläufig wieder verbessern muss. Denn sonst könne am Ende niemand mehr Zucker produzieren, und das könne in Niemandes Interesse sein, zumal die Nachfrage nach Zucker weltweit steige. „Und diese steigende Nachfrage wollen wir bedienen. Das ist ganz klar unser Antritt“, machte der Verbandsvorsitzende deutlich. In den letzten Wochen und Monaten arbeite man als Verbände daher gemeinsam mit Südzucker intensiv daran, ein tragfähiges Zukunftskonzept zu erstellen. Wesentliche Fragestellungen seien dabei die Frachtbeteiligung sowie die Mengensteuerung gewesen. Hier habe man sich inzwischen auf folgendes geeinigt:


Frachtregelung ab 2017


Die Frachtkosten für alle Rüben werden ab 2017 zu 25 % vom Rübenanbauer individuell getragen. Dabei gilt immer der Berechnungssatz zur nächstgelegenen Fabrik, und zwar ohne sogenannten „Deckel“. Einen solchen Deckel gibt es bisher z.B. noch bei den frachtbelasteten Nichtquotenrüben, wo derzeit 75 % der Fracht, aber nur bis maximal 3 €/t von Südzucker übernommen werden. Mit dieser Vereinbarung habe man einen solidarischen Ausgleich zwischen nahen und weiten Entfernungen realisieren können, erklärte Manz.


Mengensteuerung ab 2017


Zur Mengensteuerung ist künftig grundsätzlich eine Unterscheidung zwischen einer sogenannten „Basismenge“ und einer „Mehrmenge“ vorgesehen. Dabei soll die Basismenge die mit Lieferrechten hinterlegte Menge abbilden und die Mehrmenge die Menge, die darüber hinaus ggf. zusätzlich benötigt wird, um die gewünschte Werksauslastung zu erreichen. Die Mehrmenge steht dabei in einer prozentualen Abhängigkeit zur Basismenge. Das heißt: Eine Mehrmenge ohne Basismenge wird es nicht geben.


„Es geht also auch in Zukunft in jedem Fall nichts ohne das Lieferrecht“, stellte Manz klar. „Und das muss auch so sein, denn schließlich stützen wir als Lieferrechtsinhaber durch unsere Investitionen das gesamte System und stellen Risikokapital bereit. Deshalb ist auch unsere ganz klare Forderung als Hessisch-Pfälzischer Verband, dass die mit Lieferrecht hinterlegte Basismenge gegenüber der Mehrmenge in jedem Fall finanziell bessergestellt werden muss!“


Schwierige Übergangszeit


Manz schwor die Zuckerrübenanbauer auf eine „schwierige Übergangszeit“ ein. „Wir werden eine Phase niedrigerer Preise überbrücken müssen“, erklärte er. „Aber mittel- und langfristig stehen auch wieder Aussichten auf steigende Erlöse.“ Denn: Bereits ab 2020 wird ein strukturelles Defizit in der globalen Zuckerbilanz erwartet, d.h. Zuckerproduzenten werden in Zukunft dringend gebraucht. „Und wir wollen zu denjenigen Zuckerproduzenten zählen, die dann entsprechend aufgestellt sind, um die Nachfrage zu bedienen!“


Hessen-Pfalz ist gut aufgestellt


Die Voraussetzungen dafür im süddeutschen Bereich, aber speziell auch im Verbandsgebiet Hessen-Pfalz, sind gut. Das zeigte Verbandsgeschäftsführer Dr. Christian Lang in seinem Referat auf. „Wir haben frühzeitig entscheidende Weichen gestellt und sind gut positioniert“, erklärte er. Als ein Beispiel nannte er die erfolgten organisatorischen Anpassungen und dabei insbesondere die Umwandlung der ehemals 16 Transportorganisationen in jetzt drei große bäuerliche Transportgesellschaften. Durch Forschungsprojekte bekomme man zudem auch die Nematoden als wichtigsten Rübenschädling in den Griff. Daran arbeite man aktuell im Rahmen des Projektes „Zukunft Zuckerrübe“ aktiv im eigenen Nematodenlabor und in Zusammenarbeit mit DLR und Bodengesundheitsdienst.


Pflanzenkrankheiten im Fokus der Projektarbeit


Auch werde jetzt die Erforschung der Pflanzenkrankheiten im Teilprojekt „Klimawandel“ zur besseren Steuerung von Behandlungen durch eine intensive Zusammenarbeit mit der ZEPP (Zentralstelle für die Entwicklung von Prognosemodellen im Pflanzenschutz) verstärkt. Damit könne man so wenig Pflanzenschutz wie möglich besser als zuvor erreichen. Letztlich sollen damit die Kosten möglichst gering gehalten und die Erträge stabilisiert bzw. gesteigert werden. All dies trage entscheidend zur langfristigen Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus bei. Lang dankte daher den Projektpartnern und dabei besonders den Bundesländern Rheinland-Pfalz und Hessen sowie der Saatzuchtfirma Strube und dem Kuratorium für Versuchswesen und Beratung im Zuckerrübenanbau für ihre Unterstützung.


Nematodentolerante Sorten sind Grundlage für Erfolg


Die große Bedeutung von Forschung und Beratung wurde auch im Referat der ARGE Zuckerrübe Südwest deutlich. Ein wesentlicher Fokus liegt auch hier auf den nematodentoleranten Sorten. So konnten die Versuchstechniker Harald Bauer und Axel Siekmann anhand ihrer Versuchsergebnisse zeigen, dass die aktuellen toleranten Sorten mittlerweile selbst unter Nichtbefallsbedingungen mit anfälligen Standardsorten konkurrieren bzw. diese sogar übertreffen können. Und auch die Rübenabteilung legte eindrucksvoll dar, wie eng die in den letzten Jahren erzielten deutlichen Ertragssteigerungen mit dem Anbau nematodentoleranter Sorten korrelieren.


Neue Ausschuss- und Beiratsmitglieder gewählt


Auf der Versammlung in Steinweiler wurden Herr Thomas Knecht aus dem südpfälzischen Herxheim und Herr Matthias Schmitt aus Kapellen-Drusweiler neu in den Ausschuss des Verbandes gewählt. Herr Knecht folgt dem langjährigen ordentlichen Ausschussmitglied Alfred Martin nach, der sich aus Altersgründen nicht mehr für das Amt zur Verfügung gestellt hatte. Ebenfalls aus Altersgründen ausgeschieden ist Alfons Zotz. Seine Position im stellvertretenden Ausschuss wird jetzt künftig von Herrn Schmitt ausgefüllt. Herr Knecht tritt außerdem die Nachfolge von Alfons Zotz im Beirat der Vereinigung der Zuckerrübenanbauer e.V. an. Auch im Rhein-Pfalz-Kreis gab es einen Wechsel in der Ausschussbesetzung. Hier stand das bisherige ordentliche Ausschussmitglied Wolfgang Sohn nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung. Zu seinem Nachfolger wurde Herr Steffen Ott aus Bobenheim-Roxheim gewählt. Der Verband dankt den ausgeschiedenen Gremienmitgliedern sehr herzlich für ihr langjähriges Engagement und wünscht den neuen Mitgliedern in Ausschuss und Beirat viel Erfolg in ihrem neuen Amt!








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