Zukunft Zuckerrübe
Zuckermarktordnung & Politik

Wie in den meisten wichtigen Erzeugerländern der Erde wird auch in der Europäischen Union der Markt für Zucker in einer Marktordnung geregelt. Seit ihrem Inkrafttreten am 21. Dezember 1967 wurde die Zuckermarktordnung wiederholt geändert und angepasst; in ihren Grundzügen blieb sie dabei jedoch unverändert und bildete über nahezu vier Jahrzehnte eine solide Basis für Zuckerrübenanbauer und Zuckerindustrie in Europa.

Der WTO-Schiedsspruch vom 28. April 2005 zu den Reexporten von AKP-Zucker und dem Export von C-Zucker erforderte dann jedoch eine drastische Einschränkung der jährlichen EU-Zuckerausfuhren. Zeitgleich wurden im Rahmen der „Alles außer Waffen“-Initiative ansteigende zollfreie Einfuhren aus den am wenigsten entwickelten Ländern erwartet. Eine weiterhin unveränderte Fortführung der Zuckermarktordnung hätte somit schon kurzfristig zu einer starken Destabilisierung des europäischen Zuckermarktes geführt.

2006 wurde daher eine umfassende Reform der Zuckermarktordnung eingeleitet, die zu einer drastischen Senkung der Preise und Erzeugungsmengen führte und den EU-Zuckersektor damit vor große Herausforderungen stellte. Die Kernpunkte der reformierten Zuckermarktordnung werden im Folgenden dargestellt:

Laufzeit

Die aktuelle Zuckermarktordnung galt ursprünglich vom 1. Juli 2006 bis zum 30. September 2015. Am 26. Juni 2013 haben sich der Rat der Agrarminister und das Europaparlament auf eine Verlängerung um zwei Jahre bis zum 30. September 2017 verständigt.

Mengengerüst

In der neuen Zuckermarktordnung wurden die bisherigen A- und B-Quoten zu einer einheitlichen Quote zusammengefasst, sodass jetzt nur noch zwischen Quotenzucker und Nichtquotenzucker unterschieden wird. Ein Export von Nichtquotenzucker ist laut WTO-Beschluss nicht mehr ohne weiteres möglich. Er muss daher auf das Folgejahr übertragen werden, sofern er nicht als sog. „Industriezucker“ (z.B. Bioethanol, Hefezucker etc.) verwertet werden kann. Nur ein mengenmäßig stark begrenzter Teil kann darüber hinaus unter Wahrung von Verpflichtungen, die sich aus verschiedenen Abkommen ergeben, exportiert werden.

Preise

Der bisherige Interventionspreis für Zucker wurde in einen Referenzpreis umgewandelt und in vier Stufen um insgesamt durchschnittlich 36 % gesenkt. Der Mindestpreis für Zuckerrüben wurde ebenfalls in vier Stufen um durchschnittlich 39,7 % gesenkt.

Preisentwicklung gemäß der reformierten Zuckermarktordnung vom 20. Febr. 2006

 

2006

2007

2008

2009-2016

Rübenmindestpreis bei 16 % Pol.

32,86 €/t

29,78 €/t

27,83 €/t

26,29 €/t

Weißzucker-Referenzpreis (Erzeugerebene)

505,50 €/t

458,10 €/t

428,20 €/t

404,40 €/t

Ausgleichszahlungen

Für den Preisrückgang erhalten die Rübenanbauer eine Teilentschädigung in Form von Ausgleichszahlungen. Diese betrugen im Durchschnitt in den ersten beiden Reformjahren 2006 und 2007 60 % und in den Folgejahren 2008 und 2009 64,2 %. Ab 2010 werden die Zahlungen im Rahmen des „Gleitfluges“ bis 2013 schrittweise abgeschmolzen.

Referenz zur Berechnung des Ausgleichs war (und bleibt auch für alle künftigen Jahre!) die Vertragsmenge 2006/07. Auf der Grundlage der Verträge 2006 wurde jedem Rübenanbauer durch den Zuckerhersteller ein Testat über eine bestimmte Zuckermenge erteilt. Ausgleichsberechtigt war demnach nur derjenige Zuckerrübenanbauer, der einen Liefervertrag für das Anbaujahr 2006 abgeschlossen hatte. Zur Beantragung des Ausgleichs musste der Anbauer sein Testat gemeinsam mit seinem Flächenantrag bis spätestens 15. Mai 2006 bei der zuständigen Behörde eingereicht haben.

Die Ausgleichszahlungen werden in voller Höhe betriebsindividuell gewährt und als sog. „Top Ups“ den Zahlungsansprüchen des jeweiligen Betriebes zugeschlagen. Maßgebend waren (und bleiben auch für alle künftigen Jahre!) hierbei alle Zahlungsansprüche, die der Betrieb am 15. Mai 2006 in seinem Eigentum hatte. Stilllegungs-Zahlungsansprüche blieben von dieser Regelung jedoch ausgenommen. Auf sie erfolgte keine Top-Up-Verteilung. Zu beachten ist, dass Zahlungsanspruch und Top Up seit der Verschmelzung untrennbar miteinander verbunden sind und nicht mehr separat gehandelt werden können.

Restrukturierungsfond

Durch die Marktordnungsreform wurde die europäische Zuckerwirtschaft gezwungen, ihre Produktion drastisch einzuschränken. Als Konzept zur Erhaltung größerer Verarbeitungsmengen an günstigen Produktionsstandorten wurde daher ein über Abgaben der Zuckerindustrie finanzierter sog. „Restrukturierungsfonds“ mit 4jähriger Laufzeit (2006-2009) eingeführt. Zuckerfabriken an weniger günstigen Standorten hatten die Möglichkeit, an diesen Fonds Quote zu verkaufen. Der Preis (= Strukturprämie) war dabei umso höher, je früher die Quotenrückgabe erfolgte. Damit sollte ein Anreiz zu einem beschleunigten Strukturwandel gegeben werden. Ursprünglicher Gedanke war es, die notwendigen Kürzungsmengen – immerhin ca. 6 Mio. Tonnen Zuckerquote – bei weniger wettbewerbsfähigen Ländern einzusammeln, um großen Erzeugerländern wie z.B. Deutschland, Frankreich oder Polen eine Kürzung weitestgehend bis ganz zu ersparen.

Leider wurde der Fonds jedoch nicht so stark angenommen, wie man sich dies erhofft hatte. Das heißt, von den weniger wettbewerbsfähigen Ländern bei denen auf ein freiwilliges Ausscheiden aus der Zuckerproduktion spekuliert worden war, wurde zu wenig Quote zurückgegeben. Um eine zwangsweise entschädigungslose Quotenkürzung 2010 zu vermeiden, haben sich daher schließlich auch die großen Erzeugerländer dazu entschlossen, eine „freiwillige Rückgabe von Vertragsrüben“ an den Restrukturierungsfonds zu leisten.

Exporte

Zucker, der über die Quoten hinaus erzeugt wurde, kann unter der neuen Marktordnung nur noch innerhalb des bestehenden WTO-Limits (1,374 Mio. Tonnen) exportiert werden.

Marktrücknahme (früher: Deklassierung)

Das im Rahmen der alten Marktordnung zur Mengenregulierung eingesetzte Instrument der Deklassierung wurde unter der neuen Marktordnung durch eine sog. „Marktrücknahme“ abgelöst. Diese kann sowohl präventiv im Frühjahr als auch (wie bei der Deklassierung) nachträglich im Herbst beschlossen werden und die Anbauquoten einjährig um einen bestimmten Prozentsatz (je nach Marktlage) kürzen.

 

Marktordnung ab 2017

 

Am 26. Juni 2013 haben der EU-Agrarrat und das EU-Parlament auf Vorschlag der EU-Kommission die neue Agrarpolitik für den Zeitraum 2014 bis 2020 auf den Weg gebracht. Für Zucker wurde dabei eine Entscheidung von historischer Bedeutung getroffen: Ab dem Jahr 2017 werden sowohl die Quotenregelung als auch der regulatorisch festgeschriebene Rübenmindestpreis entfallen. Der EU-Zuckermarkt wird damit künftig einer der am wenigsten regulierten Zuckermärkte weltweit sein. Anders als die großen Zuckerexportnationen Brasilien, Thailand und Indien wird die EU auf Mengensteuerungsmaßnahmen, Finanzhilfen und Importkontrollen gegenüber den AKP- und LDC-Ländern gänzlich verzichten.

 

Die im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik getroffenen Beschlüsse traten am 1. Januar 2014 mit der Verordnung 1308/2013 in Kraft. 

 

 

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